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09.08.2019

Rede Senstsempfang 100 Jahre Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Sehr geehrte Frau Schily,
sehr geehrte Frau Koop und Frau Dr. Christ,
sehr geehrte Frau Prof. de Libero,
sehr geehrte Frau Prof. Kolbe,
sehr geehrter Herr Reimers,
sehr geehrter Herr Prof. Wernstedt,
sehr geehrte Mitglieder des Deutschen Bundestages,
sehr geehrte Frau Vizeprädentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
sehr geehrte Vertreter des konsularischen Korps,
sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen im Hamburger Rathaus anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Die Gründung des Volksbundes erfolgte im Dezember 1919 nach Ende des Ersten Weltkrieges, in dem in Europa zehn Millionen Soldaten und sieben Millionen Zivilisten das Leben verloren hatten.

Manche Landstriche waren geradezu übersät mit achtlosen, oft anonymen Gräbern. Nach den Schrecken des Krieges und der großen Trauer über seine Opfer war es für viele unerträglich, dass die Toten nicht einmal eine würdige letzte Ruhestätte und damit eine Erinnerung an ihr Leben und ihr Schicksal erhalten sollten.

Um dies zu ändern, taten sich engagierte Menschen in Deutschland zusammen, um Informationen zusammenzutragen, Angehörigen Auskünfte zu erteilen und sich um die Grabstätten der Kriegsopfer im In- und Ausland zu kümmern.

Im Juli 1920 wurde der Hamburger Landesverband des Volksbundes ins Leben gerufen. Gegründet und geleitet wurde er von drei Frauen: Dr. Almuth Hartmann, Amanda Fera und Thekla Haerlin. Sie alle hatten einen oder mehrere Söhne im Krieg verloren.

An diese Anfangszeit erinnerte der Landesverband unter anderem beim Friedensfest 2019 auf dem Ohlsdorfer Friedhof, auf dem sich mehr als 50.000 Kriegsgräber befinden.

Bis heute verbindet der Volksbund die Grabpflege und Erinnerung an die Kriegsopfer mit einer Mahnung an die Ursachen von Krieg und Gewaltherrschaft.

Sie leisten Ihre Arbeit in dem Bewusstsein, dass es wichtig ist, die Erinnerung wachzuhalten, um Verständigung, Versöhnung und Frieden unter den Völkern zu fördern und für Freiheit und Demokratie einzutreten.

Was kann es wichtigeres geben in einer Zeit, in der Spannungen und Konflikte in der Welt wieder zunehmen, in der auch in Deutschland an vielen Orten Populismus, Ausgrenzung und Anfeindungen wieder zunehmen?

Eine Zeit, in der kaum noch Menschen aus eigenem Erleben von Krieg und Gewaltherrschaft in Deutschland berichten können, und auch diejenigen schon in die Minderheit geraten, die von ihren eigenen Eltern und Großeltern persönliche Erlebnisse berichtet bekommen haben.

Ein tiefgehendes Geschichtsbewusstsein lässt sich für nach-kommende Generationen nur schwer anhand abstrakter Beschreibungen und Ereignisse der Zeit erreichen.

Lebendig und nachvollziehbar wird die Vergangenheit immer anhand der Biographien und Schicksale konkreter Menschen der früheren Zeit.

Meine Damen und Herren,

der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hat heute 85.000 Mitglieder. Im Auftrag der Bundesregierung pflegt er die deutschen Kriegsgräberstätten im Ausland und unterstützt die Pflege von Kriegsgräbern im Inland. Er betreut über 800 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten mit fast 3 Millionen Kriegsopfern.

Der Volksbund recherchiert die Namen und die Lebens- geschichten der Begrabenen. Da etwa jeder zehnte von ihnen einer SS-Einheit angehörte, werden die Hintergründe zu Kriegsverbrechern recherchiert und veröffentlicht.

Die Arbeit des Volksbundes geht damit inzwischen weit über seine Kernaufgaben hinaus.

Der Verein widmet sich der geschichtlichen und politischen Bildung. Er fördert die Begegnung von Jugendlichen ehemals verfeindeter Länder und die Auseinandersetzung mit den Ursachen von Krieg, Gewalt, Diskriminierung.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge leistet damit über alle Parteigrenzen hinweg einen wichtigen Beitrag für Frieden und Demokratie in Europa. Ein Europa, in dem die Abwesenheit von Krieg zur Normalität geworden ist. Die Verhaltens- und Denkweisen aber, die zu Krieg und Gewalt führen können, gibt es nach wie vor. Wir müssen daher wachsam sein und den Anfängen wehren.

Die Arbeit des Volksbundes, der Kriegsgräberstätten in internationale Orte des Lernens, der Begegnung und der Verständigung verwandelt, ist dabei von größter Bedetung.

In der vielfältigen und weltoffenen Metropole Hamburg, in der seit Jahrhunderten Menschen aus vielen Ländern mit unterschiedlichsten Kulturen und Religion zusammenleben, schätzen wir die Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge außerordentlich.

Im Namen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg danke ich allen Haupt- und Ehrenamtlichen sowie allen Unterstützern sehr herzlich für Ihre Arbeit.

Ich gratuliere Ihnen zum 100. Jubiläum und wünsche Ihnen für die Zukunft alles Gute.

Vielen Dank.

Es gilt das gesprochene Wort.