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29.03.2018

Interview mit der "SHZ" "Ich werde viel in der Stadt unterwegs sein"

"SHZ": Herr Tschentscher, erst mit Ihrer Ernennung zum Finanzsenator vor sieben Jahren haben Sie Ihre Stelle als Oberarzt am UKE aufgegeben und sind Berufspolitiker geworden. Jetzt sind Sie Erster Bürgermeister Hamburgs. Empfinden Sie das als Blitzkarriere?

Peter Tschentscher: Nein, ich bin schon 25 Jahre in der Politik und seit sieben Jahren Finanzsenator Hamburgs. Der Schritt in das Bürgermeister-Amt ist groß, aber ich bin darauf gut vorbereitet.

"SHZ": War es ein geheimer Wunsch, Bürgermeister zu werden?

Peter Tschentscher: Wir hätten alle gerne mit Olaf Scholz als Bürgermeister im Senat weitergearbeitet. Ich wäre auch gerne noch zwei weitere Jahre Finanzsenator geblieben. Seit dem Scheitern der Jamaika-Koalition auf Bundesebene war aber absehbar, dass Olaf Scholz als einer der besten Politiker Deutschlands in die Bundesregierung wechseln könnte. Insofern war ich nicht überrascht, als sich die Frage seiner Nachfolge stellte.

"SHZ": Was reizt Sie am Amt des Ersten Bürgermeisters?

Peter Tschentscher: Wenn man begeisterter Hamburger und Politiker ist, dann ist das Amt des Bürgermeisters sehr attraktiv, weil man damit viel gestalten kann. Mir sind auch die Erwartungen und die Anforderungen an das Amt bewusst. Die Einschränkungen für das Privatleben oder die Freizeit empfinde ich nicht als Opfer oder Entbehrung. Das gehört dazu.

"SHZ": Die Opposition sagt, Sie seien eine Notlösung, nur die dritte Wahl, nachdem Sozialsenatorin Melanie Leonhard und Fraktionschef Andreas Dressel aus familiären Gründen abgesagt hatten. Trifft Sie das?

Peter Tschentscher: Nein, das trifft nicht zu. Wenn die Opposition mir nach sieben Jahren nichts anderes vorwirft, ist das ein gutes Zeichen. Ich bin jedenfalls zufrieden, dass es an meiner Amtsführung als Finanzsenator offenkundig nichts auszusetzen gibt.

"SHZ": Ihren Konkurrenten Leonhard und Dressel war die Familie wichtiger, weshalb sie ablehnten. Können Sie das verstehen?

Peter Tschentscher: Ich habe Respekt vor dieser Entscheidung. Meine Frau und ich haben einen erwachsenen Sohn. Der kommt mit seinen 19 Jahren schon ganz gut allein klar.

"SHZ": Als Finanzsenator mussten Sie auf die Haushaltsdisziplin anderer Ressorts und Senatoren achten. Jetzt müssen Sie als Bürgermeister vorangehen. Wie wollen Sie den schnellen Wechsel vom scheuen Politiker zur Rampensau schaffen?

Peter Tschentscher: Ich bin nicht scheu. Dann brauchen Sie in der Politik gar nicht erst anzutreten.

"SHZ": Das ist aber die bisherige Wahrnehmung Ihrer Person in der Öffentlichkeit ...

Peter Tschentscher: In Hamburg wird erwartet, dass man das Finanzressort seriös führt, und zwar bis in die Details. Das ist Hamburger Kaufmannstradition. Dazu gehört eben auch, dass man als Finanzsenator nicht mit lockeren Sprüchen von sich reden macht. Das wird auch von einem Bürgermeister nicht erwartet. Wichtig ist, dass man die Dinge zu Ende denkt und dann handelt.

"SHZ": Sie wollen „noch stärker in den Dialog mit den Bürgern treten“, haben Sie am Wochenende auf dem SPD-Parteitag gesagt. Wie meinen Sie das?

Peter Tschentscher: Ich werde viel in der Stadt unterwegs sein. Es gibt nichts Besseres, um die Sichtweisen der Menschen kennenzulernen, als das direkte Gespräch. So können wir am besten prüfen, ob das, was wir für die Stadt tun, auch aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger das Richtige ist.

"SHZ": Als Erster Bürgermeister müssen Sie in dieser Legislaturperiode die großen Projekte von Olaf Scholz weiter vorantreiben, wie die Sauberkeitsoffensive und den Bau bezahlbarer Wohnungen, oder die Sanierung der Infrastruktur und die Projekte in der Wissenschaft. Wie kann es Ihnen gelingen, bis zur Bürgerschaftswahl 2020 ein eigenes Profil zu entwickeln?

Peter Tschentscher: Es wäre unglaubwürdig, wenn ich die Grundlinien der Senatspolitik, die ich selbst mitgestaltet habe, jetzt plötzlich in Frage stellen würde. Ganz im Gegenteil: Ich bin sehr überzeugt von den Grundprinzipien unserer Regierungsarbeit. Zugleich wird es in einer dynamischen Stadt wie Hamburg immer wieder neue große Projekte geben.

"SHZ": Haben Sie Visionen für Hamburg?

Peter Tschentscher: Wenn wir heute unsere politischen Projekte ansehen, dann haben sie alle miteinander eines gemeinsam: Sie sind darauf gerichtet, dass alle Hamburgerinnen und Hamburger gut und sicher und bezahlbar in ihrer Stadt leben und arbeiten können. Das ist das Markenzeichen sozialdemokratischer Politik, unsere Vision von einer modernen Stadtgesellschaft. Alle müssen an dem wirtschaftlichen Erfolg unserer Stadt teilhaben können.

"SHZ": Was unterscheidet Sie von Olaf Scholz?

Peter Tschentscher: Wir haben viele Ähnlichkeiten, aber ich bin ein anderer Mensch und habe einen anderen beruflichen Hintergrund. Als Mediziner liegen mir bestimmte Themen näher. Ich halte zum Beispiel das Leben im Alter für ein eigenständiges und wichtiges Thema der Politik, in dem wir vieles beachten müssen.

"SHZ": Haben Sie eigentlich Vorbilder?

Peter Tschentscher: Ich habe nicht das eine Vorbild. Aber ich bin von vielen Eigenschaften angetan, die Helmut Schmidt hatte ? außer vom Rauchen (lacht).

"SHZ": Folgen Sie einem Lebensmotto?

Peter Tschentscher: Ja. Sich nicht drängen und unter Druck setzen zu lassen und immer ruhig zu überlegen, was zu tun ist.

"SHZ": Was gibt Ihnen Kraft und Zuversicht in Ihrem Leben?

Peter Tschentscher: Meine Gesundheit. Sie ist ein hohes Gut und hat mich bis jetzt nicht verlassen. Ich achte darauf, mich nicht zu überfordern. Dazu gehört in einem anstrengenden Beruf auch, sich Zeit für sich zu nehmen.

Das Interview erschien am 29. März auf shz.de.