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19.11.2018

Rede 41. Martinsgansessen von Nordmetall

Sehr geehrter Herr Lambusch,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

vielen Dank für die Einladung zum traditionellen Martinsgansessen des Arbeitgeberverbands Nordmetall, der im Norden von der Grenze zu den Niederlanden im Westen bis zur polnischen Grenze im Osten rund 110.000 Arbeitsplätze in Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie umfasst.

Rund 60 Nordmetall-Unternehmen mit Zehntausenden Arbeitsplätzen haben ihren Sitz in Hamburg.

Die Industrie hat für unsere Wirtschaft eine grundlegende Bedeutung. Es geht um insgesamt 88.000 Arbeitsplätze und einen Gesamtumsatz von rund 80 Mrd. Euro pro Jahr.

Mit anderen Worten, jeder siebte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeitet in der Industrie und rund 12 Prozent der Bruttowertschöpfung können dem verarbeitenden Gewerbe zugeordnet werden.

Wichtiger als diese Zahlen ist die strukturelle Bedeutung für unseren Wirtschaftsstandort, in der alle Branchen einer modernen Volkswirtschaft vertreten sind, die sich wechselseitig befördern und zusammen mit den wissenschaftlichen Einrichtungen eine hohe Innovationskraft entwickeln.

Die Hamburger Wirtschaft ist dadurch außerordentlich wettbewerbsfähig. Die Bruttowertschöpfung pro Erwerbstätigem ist höher als in den anderen Bundesländern.

Hamburg braucht die Industrie, aber die Industrieunternehmen profitieren auch von den siebenentscheidenden Standortfaktoren unserer Wirtschaft, die der Senat aktiv fördert.

Der ersteist die Erreichbarkeit in allen vier Verkehrssystemen: Wasser, Schiene, Straße und Luft.

Mit der jetzt beginnenden Elbvertiefung und zahlreichen Investitionsprojekten stärken wir den drittgrößten Hafen Europas für eine wirtschaftliche Anlieferung von Rohstoffen und Komponenten sowie einen effizienten Weg für den Export der Produkte.

Wir fördern den Ausbau der Straßen- und Schienenwege in Zusammenarbeit mit dem Bund und den benachbarten Bundesländern.

Deshalb bauen wir zum Beispiel die A7 aus und schaffen mit der A26 eine leistungsfähige Ost-West-Verbindung für die Hafenverkehre.

Und wir stehen zum Hamburger Flughafen, der die Erreichbarkeit unserer Unternehmen für Kunden und Geschäftspartner sicherstellt.

Der Wirtschaftsverkehr innerhalbeiner Metropole ist dabei ein besonderes Problem. Wer die Hamburger Lage einordnen will, muss - nur zum Vergleich - einmal mit dem Auto zu den Hauptverkehrszeiten durch Berlin, Paris, London, Barcelona, Marseille oder auch nur den Großraum Danzig fahren.

Wir geben in Hamburg mittlerweile pro Jahr über 120 Mio. Euro für den Neubau und die Sanierung unserer Stadtstraßen aus. Darüber hinaus müssen die Siele erneuert, Strom-, Wasser- und Datenleitungen verlegt werden.

Dies führt zu einer großen Zahl von Baustellen, die es in diesem Umfang früher nicht gab und deren Koordination wir deshalb verbessern.

Um den Straßenraum zu entlasten, den man in einer schon vor Jahrhunderten gebauten Stadt nicht beliebig vergrößern kann, erhöhen wir die Kapazität von Bussen und Bahnen, denn jeder, der umsteigt, macht Straßenraum frei für den PKW- und den Wirtschaftsverkehr.

Radwege, Busse und U- und S-Bahnen stehen deshalb nicht in Konkurrenz zum Autoverkehr, sondern verschaffen ihm - wenn sie genutzt werden - zusätzlichen Raum, den wir dringend benötigen.

Großes Potenzial haben künftig intelligente Verkehrssysteme. Allein die Einführung eines sogenannten Slot-Managements im Hafengebiet hat die Verkehrslage dort entspannt und die Auslastung der Infrastruktur deutlich verbessert.

Der zweite Standortfaktor ist die schon erwähnte Branchenvielfalt. Die Industrie findet mit der Anbindung an einen Seehafen als Drehkreuz des Warenhandels in Europa nicht nur beste Logistikbedingungen.

In Hamburg sind im Grunde alle Branchen vertreten.

Für die Industrie stehen damit alle erforderlichen Partner für die Optimierung von Produktionsprozessen zur Verfügung - auch neue Branchen wie die IT- und Softwareentwicklung.

Nach einer Studie der Financial Times ist Hamburg unter den Top Ten im weltweiten Städteranking bei der Ansiedlung von digitalen Unternehmen.

Das führt mich zum drittengrundlegenden Standortfaktor, der Digitalisierung.

Diesem weltweiten Megatrend kann sich niemand entziehen. Er verändert die Arbeitswelt, ermöglicht neue Geschäftsmodelle, Kundenbeziehungen und Produktionsabläufe.

Der Senat antwortet auf diese Entwicklung mit einer eigenen Strategie zur "Digitalen Stadt".

Sie erfasst nicht nur die städtischen Akteure selbst, sondern zielt auf eine digitale Vernetzung der Verwaltung und öffentlichen Unternehmen mit der Wirtschaft, der Wissenschaft und dem privaten Sektor.

Wir gehen diesen Prozess aktiv an, um die Risiken im Hinblick auf Datenschutz und Datensicherheit zu kontrollieren, aber vor allem um die großen Chancen und Potenziale für die Wirtschaft, den Verkehr und das private Leben zu nutzen.

Die weltweit führenden Digital-Unternehmen wie Google, Facebook, Adobe Systems und viele andere steuern ihr Deutschlandgeschäft mittlerweile von Hamburg aus.

Wir haben europaweit das erste Testfeld für die industrielle Nutzung des Mobilfunk-Standards 5G im Hafen und sind bundesweit an der Spitze beim Ausbau von Datennetzen.

Beim vierten Standortfaktor unserer Wirtschaft geht es um Umweltverträglichkeit und Klimaschutz. Tag für Tag wird klarer, dass der Klimawandel voranschreitet und mit großen ökologischen und ökonomischen Risiken verbunden ist.

Die künftige Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrieunternehmen hängt davon ab, sich frühzeitig auf die Anforderungen einer nachhaltigen Wirtschaft einzustellen.

Diese gelingt nur durch Wissenschaft, Technologie, Ingenieurskunst und Innovationen.

Hamburger Industrieunternehmen haben diese Herausforderungen bereits angenommen. Sie liefern Fernwärme aus industrieller Abwärme, planen modernste Produktionslinien mit ausschließlich regenerativer Energieversorgung und beteiligen sich an Projekten zur Energiewende, zur Entwicklung alternativer Antriebskonzepte und regenerativen Herstellung von Wasserstoff und LNG.

Hamburg hat mittlerweile eine Universität mit vier Exzellenzclustern, darunter drei im naturwissenschaftlichen Bereich und im Klimaschutz. Wir haben hervorragende wissenschaftliche Einrichtungen im Bereich der Technik, der Energie- und Umweltforschung.

Wissenschaft, Forschung und Innovation sind damit der fünfte Standortfaktor, den der Senat im Auge hat.

Meine Damen und Herren,

Hamburg ist die zweitgrößte Stadt der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Wir haben unsere besondere Stellung unter den europäischen Metropolen nie aus einer Eigenschaft als Hauptstadt und Sitz der Nationalregierung heraus entwickelt, sondern immer aus seiner Weltoffenheit und Modernität.

Unsere Wettbewerbsfähigkeit hängt auch in Zukunft ab vom technologischen Vorsprung und der Innovationskraft der Unternehmen.

Um diese zu unterstützen, haben wir eine Exzellenzstrategie der Universität initiiert und weitere Einrichtungen der deutschen Wissenschaftsgesellschaften nach Hamburg geholt.

Die Technische Universität Hamburg wird um 3.000 Studienplätze erweitert und erhält neue Informatik-Professuren. Erstmals entwickeln alle Hamburger Hochschulen eine gemeinsame Strategie für Ausgründungen sowie für Wissens- und Technologietransfer.

Wir unterstützen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse und innovative Unternehmen zueinander finden und sich Innovationsketten bilden.

Deshalb haben wir ein Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung auf Finkenwerder gebaut und entwickeln Innovationsparks wie den Energie-Campus in Bergedorf im Umfeld der HAW und den Innovation Campus Green Technologies in Harburg bei der Technischen Universität.

In Bahrenfeld mit den Kathedralen der Grundlagenforschung DESY und XFEL wollen wir in den kommenden Jahren eine Science City schaffen, die es mit Berlin-Adlershof und München Garching aufnehmen kann, denn das ist unser Anspruch an einen leistungsfähigen Wirtschaftsstandort im Norden.

Der sechste Standortfaktor ist unsere Stadt selbst, ihre Attraktivität und hohe Lebensqualität für ihre Bürgerinnen und Bürgerinnen.

Dies hilft unseren Unternehmen Fachkräfte nach Hamburg zu holen und zu halten. Wir fördern die schulische, die berufliche und die akademische Bildung.

Nordmetall ist ein wichtiger Partner bei der Fachkräftesicherung und unterstützt Bildungsinitiativen speziell in den MINT-Fächern.

Die Kooperation mit der Technischen Universität Hamburg in der dualen Ingenieursausbildung geht nun schon über viele Jahre und wurde im September 2018 fortgeschrieben.

Aber wir stehen in einem dauerhaften Wettbewerb mit anderen Standorten um qualifizierte Fachkräfte.

Bezahlbare Wohnungen, kostenlose Kitas, gute Schulen und Universitäten, eine grüne Stadt, beste Gesundheitsversorgung, interessante Kultur- und Freizeitangeboten, Musik und Sport als besondere Dimensionen sind ein Standortfaktor, der unserer Wirtschaft hilft, ihre Beschäftigten zu halten und die besten Köpfe nach Hamburg zu holen.

Als siebtenentscheidenden Standortfaktor, der Hamburg auszeichnet, bezeichne ich unsere hanseatische Weltoffenheit und Internationalität.

Wir leben seit Jahrhunderten von unseren internationalen Beziehungen, dem freien Handel und der Offenheit für Entwicklungen auf der Welt.

Kein internationaler Konzern investiert an einem Standort, der sich abschottet und Menschen aus anderen Ländern feindselig gegenübertritt.

Die Führungskräfte weltweiter Unternehmen und ihre Familien schätzen daher eine liberale und moderne Hansestadt mit rund 100 konsularischen Vertretungen aus Ländern aller Kontinente.

Der Präsident der Max Planck-Gesellschaft hat am diesjährigen Überseetag betont, dass wir bis in die Antike zurückverfolgen können, wie sich Wissenschaft und Fortschritt immer dort entwickelt haben, wo Kulturen aufeinandertreffen und Menschen unterschiedlichster Länder zusammenarbeiten ohne Ausgrenzung aufgrund von Herkunft, Kultur oder Religion.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

das sind die sieben Erfolgsfaktoren der wirtschaftlichen Entwicklung und der Industrie in unserer Metropolregion:

1. Äußere Erreichbarkeit und innere Mobilität,

2. Branchenvielfalt,

3. Digitalisierung,

4. Klimaschutz und Umweltverträglichkeit,

5. Wissenschaft, Forschung und Innovation,

6. Attraktivität der Stadt und Lebensqualität für ihre Bürger und

7. Weltoffenheit und Internationalität.

Abschließend vielleicht noch eine letzte Botschaft, die uns als Hansestadt immer ausgezeichnet hat und ohne die kein wirtschaftlicher Erfolg möglich ist:

Das ist die Haltung, in der wir auf die Zukunft blicken. Mit hanseatischer Nüchternheit und Realitätssinn gegenüber den Risiken, aber eben immer auch mit Optimismus, einer positiven Sicht auf die Chancen, der Zuversicht und dem Selbstvertrauen, dass wir die Dinge meistern und die besten Tage vor uns liegen.

Herzlichen Dank.

Es gilt das gesprochene Wort.